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Gleiche Chancen für alle
Frauen in gebärfähigem Alter oder auch Migranten haben bewiesenermaßen schlechtere Chancen bei der Bewerbung. Da können Qualifikation und Berufserfahrung noch so groß sein, viele werden erst gar nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Anonyme Bewerbungen können dem entgegenwirken, wie ein Pilotprojekt zeigt.

Betroffen sind beispielsweise Frauen um die 30, die mit ausgezeichneten Zeugnissen und langer Berufserfahrung beste Voraussetzungen für einen guten Job oder sogar Führungspositionen mitbringen. Jedoch reicht manchmal ein Blick auf die Bewerbung und die Qualifikationen sind wertlos. Die Angst vor einer möglichen Schwangerschaft und dem daraus resultierenden Arbeitsausfall, lähmt viele Chefs bei der objektiven Mitarbeiterauswahl. Muss man bald, wenn die Elternzeit ansteht, nach Ersatz suchen? Kann man als Mutter trotzdem Dringendes am Wochenende erledigen? Auch Migranten, mit Nachnahmen wie beispielsweise Yildiz, werden in vielen Fällen gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Aktuelle Studien haben bewiesen, dass u.a. Menschen mit türkischer Herkunft bei der Stellenbewerbung klar benachteiligt werden und weitaus schlechtere Chancen besitzen, als jemand mit einem deutschen Namen, der identische Voraussetzung mit sich bringt.

Diesem ungerechten System wollte Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, entgegenwirken und initiierte im Dezember 2010 ein Pilotprojekt, welches durch anonymisierte Bewerbungen Chancengleichheit für alle Bewerber garantiert.

Bei dem Großversuch testeten Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber wie beispielsweise die Deutsche Post, L´Oréal, die Deutsche Telekom und das Bundesfamilienministerium über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren das anonymisierte Bewerbungsverfahren. Dabei verzichtete man auf Angaben wie Name, Alter, Geschlecht, Foto, Nationalität und Familienstand oder schwärzte diese. Somit waren Abschlüsse und Berufserfahrung die einzig relevanten Daten zur Vorentscheidung. Erst nachdem man sich für einen Bewerber entschieden hatte, wurden alle Details preisgegeben.

Die Ergebnisse der Studie wurden nun Ende Mai 2012 veröffentlicht. Laut dieser Studie empfand die Mehrheit der Personalchefs es als unproblematisch, dass bestimmte Angaben fehlten. So überzeugten Bewerber im Vorstellungsgespräch, die laut Personalchefs ohne die anonymisierte Bewerbung keine Chance bekommen hätten.

„Das Projekt hat gezeigt, dass anonymisierte Bewerbungen den Fokus auf die Qualifikation lenken“, sagt Christine Lüders. Von den Personalverantwortlichen wurde das System als „durchweg positiv“ bewertet. Die Profiteure sind nicht nur berufserfahrene Frauen, sondern auch die Unternehmen selbst. Ein gesunder Mix aus Jung und Alt und die interkulturelle Kompetenz von Migranten fördern die Produktivität von Firmen. Trotz vieler Vorteile haben sich die großen Unternehmen gegen eine zukünftige Nutzung von anonymisierten Bewerbungen entschieden.

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